Hilfe in Krisenzeiten: Vier gute Wege um ins Tun zu kommen

4 Wege Hilfe in Krisenzeiten Umgang mit Ausnahmesituationen und Emotionen

Fassungslos. Wütend. Ohnmächtig. Innerlich wie äußerlich stehen die Zeichen gerade auf Sturm.

Bald geht der Krieg in Europa in die vierte Woche, und doch fällt es immer noch schwer zu realisieren, was da gerade geschieht. Wie einen guten Umgang damit finden? Wohin mit uns, wenn wir die schrecklichen Bilder anschauen und die bewegenden Berichte lesen, die in Echtzeit und in allen Kanälen auf uns einprasseln? Wie kann (Selbst-) Hilfe in Krisenzeiten ganz konkret aussehen?

Es gibt wohl gerade kaum jemanden, der sich nicht in einer emotionalen Ausnahmesituation befindet. Denn Grundannahmen, mit denen wir aufgewachsen sind und die unsere Leben seit mindestens dreißig Jahren begleiten, geraten ins Wanken. Dass Dispute am Verhandlungstisch ausgetragen werden. Oder dass gewaltsame Kriege in entwickelten Staaten der Vergangenheit angehören.

Gleichzeitig gilt es, den Alltag weiter zu stemmen. Die Arbeit zu erledigen und familären Verpflichtungen nachzukommen. Als Führungskraft zudem das Team aufzufangen und zu unterstützen.

Hilfe in Krisenzeiten hat sowohl mit Machen als auch mit Fühlen zu tun

Das Leid und der Schmerz sind greifbar nah. Weniger greifbar scheint, wie eine wirksame Hilfe jetzt aussehen kann. Die Macht scheint bei wenigen zu liegen. Die gefühlte Ohnmacht hingegen bei vielen.

Ein Blick in die Forschung zur Resilienz (die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen) gibt uns mehr Klarheit darüber, worauf es jetzt ankommt, damit wir klar kommen. Damit wir den anderen genauso wie uns selbst helfen können. Nicht umsonst heisst es im Flugzeug immer, dass im Notfall zuerst selbst die Sauerstoffmaske aufzusetzen ist – und erst danach den mitreisenden Kindern.

Bei Notfallhilfe denken die meisten von uns vor allem ans schnelle Machen. Spenden sammeln, demonstrieren, ehrenamtlich unterstützen. Weniger im Fokus hingegen steht das Fühlen. Das Einfühlen, sowohl in den eigenen inneren Tornado als auch das Einfühlen in die Betroffenen, unsere Mitmenschen und Mitarbeitenden.

Vier Formen des Copings als hilfreicher Rahmen für Hilfe in Krisenzeiten

Die Resilizenforschung hat laut Dr. Judith Mangelsdorf, Professorin für Positive Psychologie an der

  1. Problemfokussiertes Coping: Damit sind alle Handlungen gemeint, die darauf abzielen, das eigentliche Problem zu lösen. Im aktuellen Fall also alle Aktivitäten, die zur Abwehr des Krieges und zur Reduzierung seiner desaströsen Folgen beitragen. Demonstrieren, spenden, Flüchtlingen helfen, Hilfstransporte organisieren…
  2. Emotionsfokussiertes Coping: Gemeint sind damit persönliche Strategien, die helfen, mit dem massiven Stress umzugehen, den die Krisensituation auslöst. Es geht darum, starke Emotionen wie Angst und Wut zu mildern und erträglich zu machen. Was hier konkret getan wird, ist individuell. Manchen hilft es, sich zu bewegen, bewusst zu atmen oder zu meditieren. Andere vertiefen sich in ein Hobby, hören Musik, gehen ins Kino oder spielen mit den Kindern. Manchmal tut auch schon ein kleiner Moment des Innehaltens gut, zum Beispiel der bewusst genossene Cappucino auf der Parkbank mit dem Gesicht Richtung Frühlingssonne.
  3. Beziehungsfokussiertes Coping: Hier geht es um Bewältigungsstrategien, die mit der Beziehung zu anderen zu tun haben. Es geht also um Handlungen, die uns signalisieren, dass wir nicht alleine sind mit einem Problem und unseren starken Emotionen. Dass es andere gibt, die sich einfühlen. Aktuell hilft hier alles, was wir gemeinsam tun können, wie zum Beispiel gemeinsam Hilfsaktionen initieren. Oder uns einfach miteinander auszutauschen, und zwar ganz bewusst auch zu unseren Emotionen und persönlichen Sorgen.
  4. Bedeutungsfokussiertes Coping: Damit ist gemeint, dem Problem einen tieferen Sinn zu geben. Also „das Gute im Schlechten“ zu sehen. Aktuell ist diese Copingstrategie vermutlich die herausforderndste. Denn im Krieg scheint es zunächst mal nur Verlierer:innen zu geben. Mit etwas Abstand betrachtet, wird das eigene Erleben einer solchen Ausnahmesituation vielleicht helfen, Wesentliches (zum Beispiel Unversehrtheit und Menschlichkeit) von Unwesentlichem (zum Beispiel der perfekte Sitz des Outfits und der kleine Streit mit dem Nachbarn) zu unterscheiden. Zudem schafft er neue, grenzenüberwindende Allianzen.

Was Coping für den Führungsalltag bedeutet

Als Führungskraft haben Sie aktuell die wichtige Aufgabe, sich selbst den Rücken zu stärken UND den Ihrer Mitarbeitenden. Schaffen Sie dabei eine Balance aus Machen und Fühlen.

Schaffen Sie Raum im Arbeitsalltag für Aktivitäten, die zur (hoffentlich schnellen) Lösung des Problems „Krieg“ beitragen. Das können Spendenaktionen oder ehrenamtliches Engagement sein.

Schaffen Sie ebenso Raum zum Umgang mit den starken Gefühlen. Gehen Sie dabei mit gutem Beispiel voran, in dem Sie zum Beispiel im Meeting nicht gleich zur Agenda übergehen, sondern ein paar Minuten am Anfang dazu nutzen, über Ihre eigene Gefühlslage zu sprechen. Und dann dem Rest des Teams die Möglichkeit geben, sich dazu zu äußern.

Einen einfach eleganten Weg, so eine Gesprächsrunde zu eröffnen, hat dazu gestern meine geschätzte Kollegin Sonja Hanau auf LinkedIn beschrieben: „Heute morgen…“.

Eine kleine Hilfestellung können Ihnen dabei diese Fragen geben, die einladender sind als das floskelhafte „Wie geht’s Dir?“:

Alternative Fragen zu Wie geht es Dir Hilfe in Krisenzeiten und Ausnahmesituationen

Hören Sie dann aktiv zu, ohne zu bewerten. Nehmen Sie Ihr Gegenüber bewusst wahr, in dem Sie zuhören, um zu verstehen und nicht um zu antworten. Fassen Sie das Verstandene und die Emotionen, die Sie beim Gegenüber wahrnehmen, in eigenen Worten kurz zusammen. Dabei geht es nicht um Vollständigkeit, sondern um einen guten Kontakt. Damit unterstützen Sie auf höchst wirksame Weise. Denn wer sich wahrgenommen und verstanden fühlt, ist nicht mehr alleine mit der emotionalen Ausnahmesituation.

Gemeinsam sind wir stärker. Besonders in Zeiten, in denen wir uns sehr schwach fühlen. Begegnen wir der demonstierten Unmenschlichkeit mit unmissverständlicher Menschlichkeit.

So sieht Hilfe in Krisenzeiten aus, die uns überstehen und wachsen lässt.

P.S. Da wir ja gefühlt gerade das Krisenbewältigungsprogramm für Fortgeschrittene absolvieren, sind vielleicht auch diese Tipps für „Anfänger“ -rückwirkend betrachtet- vom Anfang der Pandemie für Sie hilfreich: Coronakrise: Wie Sie als Führungskraft jetzt für Zusammenhalt sorgen können.

P.P.S. Diesen Blogartikel zu schreiben wirkt auf mich gerade wie meine Tagesration an problemfokussiertem Coping und lässt mich hoffentlich eine Spur ruhiger schlafen als in den Nächten davor.

Ihre Gesine Engelage-Meyer

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