Konflikte im Team leichter ansprechen – wie schwierige Gespräche selbstverständlich werden wie Zähneputzen

Konflikte im Team leichter ansprechen - wie schwierige Gespräche selbstverständlich werden wie Zähneputzen

Konflikte im Team leicht ansprechen? Seien wir ehrlich. Im Team gibt es kaum etwas Schwierigeres, als Worte zu finden für das, was schwierig im Miteinander ist.

Doch wo „Menschen miteinander schaffen, machen sie sich zu schaffen“ (Friedemann Schulz von Thun).

Spannungen sind also normal. Das Klären von Spannungen müsste also idealerweise genauso normal und selbstverständlich sein.

So normal, wie zweimal täglich Zähne zu putzen.

Das machen wir einfach. Nicht, weil wir das Zähnebürsten so spaßig finden. Sondern weil wir wissen: Wer regelmäßig putzt, verhindert, dass aus kleinen Belägen schmerzhafte Löcher werden.

Wie schwierige Gespräche selbstverständlich wie Zähneputzen werden

Spannungen gehören zu jeder Zusammenarbeit. Menschen verstehen sich unterschiedlich, haben andere Bedürfnisse, Prioritäten oder Erwartungen. Das ist völlig normal.

Das Problem sind nicht die Spannungen.

Das Problem ist, dass wir sie oft viel zu lange nicht ansprechen.

Dann werden aus kleinen Irritationen große Konflikte. Wir reden übereinander statt miteinander. Wir interpretieren Verhalten, ziehen uns zurück oder explodieren irgendwann an einer Stelle, die für andere völlig überraschend kommt.

„Ich wollte die Stimmung nicht kaputtmachen.“

Diesen Satz höre ich in Konfliktklärungen immer wieder. Menschen erzählen mir, dass sie nichts gesagt haben, weil sie niemanden verletzen wollten. Sie wollten kein Fass aufmachen, keine schlechte Stimmung erzeugen oder die gute Zusammenarbeit gefährden.

Fast immer steckt dahinter eine gute Absicht: Harmonie.

Und genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick. Denn erstaunlicherweise führt genau diese gut gemeinte Zurückhaltung häufig zu dem Gegenteil dessen, was wir erreichen wollten.

Spannungen verschwinden nämlich nicht, wenn wir sie verschweigen. Sie suchen sich nur einen anderen Weg. Sie zeigen sich in kleinen Sticheleien, in Gesprächen auf dem Flur, in Rückzug oder in diesem schwer greifbaren Gefühl, dass im Team „irgendetwas nicht stimmt“. Die Harmonie, die wir schützen wollten, geht Stück für Stück verloren.

Eben genau wie beim Zähneputzen.

Wenn ich heute Abend einmal vergesse, mir die Zähne zu putzen, passiert wahrscheinlich gar nichts. Wenn ich es aber über Wochen oder Monate sein lasse, entstehen irgendwann Löcher. Und dann brauche ich plötzlich deutlich aufwendigere und schmerzhaftere Maßnahmen, als eigentlich nötig gewesen wären.

Mit Teams ist es ähnlich. Nicht das schwierige Gespräch tut weh. Das lange Runterschlucken und Schweigen tut weh.

Warum es so schwer fällt, Konflikte einfach mal anzusprechen

An dieser Stelle finde ich die Gedanken der Psychologen Maja Storch und Johannes Storch in ihrem Buch „Schluss mit dem Hintenrumgerede“ augenöffnend. Sie veranschaulich, dass es sehr menschlich ist, Spannungen lieber nicht direkt anzusprechen.

Wir gehen oft davon aus, dass wir Menschen Situationen hauptsächlich mit unserem Verstand bewerten. Tatsächlich arbeitet unser Gehirn aber mit zwei unterschiedlichen Bewertungssystemen. Da ist einerseits unser Verstand, der langsam arbeitet, Sprache nutzt und Dinge logisch einordnet. Gleichzeitig gibt es aber ein zweites System, das viel schneller reagiert. Es bewertet Situationen über sogenannte somatische Marker – also über körperlich spürbare Gefühle. Maja Storch und Johannes Storch beschreiben dieses schnelle Bewertungssystem mit dem Bild des Strudelwurms.

Das Besondere daran: Der Strudelwurm spricht keine Sprache.

Er sagt nicht: „Ich habe den Eindruck, dass meine Idee gerade nicht ernst genommen wurde.“

Er sagt nur:

„Grmpfl.“

Ein ungutes Gefühl. Ein Ziehen im Bauch. Ein kurzer Ärger. Mehr zunächst nicht.

Und genau das erklärt, warum uns viele schwierige Gespräche so schwerfallen. Wir spüren längst, dass etwas nicht stimmt – können aber noch gar nicht genau benennen, was eigentlich los ist.

Warum wir hintenrum reden

Genau daraus entstehen drei typische Muster. Erstens braucht unser Verstand oft länger als unser Gefühl. Während der Strudelwurm sofort reagiert, brauchen wir manchmal Stunden oder sogar Tage, bis wir die passenden Worte gefunden haben. Wenn wir dann endlich wissen, was uns eigentlich beschäftigt hat, ist die Situation längst vorbei. Also erzählen wir es der erstbesten Person, die uns über den Weg läuft.

Zweitens verarbeiten Menschen Erlebnisse unterschiedlich schnell. Manche können ihre Gefühle unmittelbar in Worte fassen. Andere brauchen erst Zeit zum Nachdenken. Maja Storch und Johannes Storch nennen sie die „langsamen Brüter“. Auch das ist völlig normal. Nur passt diese Art des Verarbeitens häufig nicht zu unserem Arbeitsalltag, in dem wir erwarten, dass Feedback sofort geäußert wird.

Und drittens möchten die meisten von uns andere schlicht nicht bloßstellen. Das finde ich einen besonders wichtigen Gedanken. Hinter dem Schweigen steckt oft gar keine Konfliktscheu, sondern Rücksichtnahme. Wir hoffen, die Harmonie zu bewahren. Nur leider funktioniert das auf Dauer selten.

Deshalb brauchen Teams einen festen Ort für schwierige Gespräche

Teams rufen mich meist dazu, wenn sich Spannungen bereits über Monate oder sogar Jahre aufgestaut haben. Dann braucht es eine aufwendige Konfliktklärung. Diese Arbeit ist wichtig. Gleichzeitig denke ich in solchen Prozessen häufig: Schade, dass wir uns nicht schon viel früher kennengelernt haben.

Denn viele dieser Konflikte wären vermutlich nie so groß geworden, wenn kleine Irritationen regelmäßig ihren Platz bekommen hätten.

Genau deshalb gefällt mir die Idee der 15-Minuten-Wurmkur von Maja Storch so gut. Sie schlägt vor, regelmäßig Raum zu schaffen, um sowohl Grmpfls als auch Bingos in Worte zu fassen. Also nicht nur darüber zu sprechen, was schwierig war, sondern ebenso bewusst wahrzunehmen, was gut gelungen ist.

Konflikte im Team leichter ansprechen mit dem Grmpfl Dialog

Die Idee hinter dem Grmpfl-Dialog von Maja Storch und Johannes Storch ist einfach: Als Team schafft ihr regelmäßig einen festen Raum, um sowohl das Schwierige als auch das Gelungene in Worte zu fassen. Es geht also nicht darum, erst dann miteinander zu sprechen, wenn ein Konflikt schon groß geworden ist. Sondern darum, kleine Irritationen früh sichtbar zu machen — und gleichzeitig bewusst wahrzunehmen, was im Miteinander gut funktioniert.

Genau deshalb gehören im Grmpfl-Dialog immer zwei Seiten zusammen: Grmpfls und Bingos. Grmpfls sind die Momente, in denen sich etwas unangenehm, irritierend oder störend anfühlt. Bingos sind die Momente, in denen Zusammenarbeit gelungen ist, etwas leichter wurde oder jemand etwas Wertvolles beigetragen hat.

Das Ziel ist nicht, alles sofort perfekt zu lösen. Das Ziel ist: Abhilfe schaffen für Grmpfls und die Bingos vermehren.

So läuft der Grmpfl-Dialog ab

Nehmt euch dafür ein festes Zeitfenster, zum Beispiel 15 Minuten alle 2 Wochen im Teammeeting.

  1. Jede Person notiert zunächst auf Post-its die Grmpfl- und Bingo-Themen, die sie für das Team wichtig findet.
  2. Anschließend werden die Post-its reihum angeschaut. Entweder besprecht ihr alle Themen oder so viele, wie in euer Zeitfenster passen.
  3. Die Person, die das jeweilige Post-it geschrieben hat, berichtet kurz von der Situation: Was war da los? Wie ging es mir damit?
  4. Danach ist das Team gefragt. Alle überlegen gemeinsam: Was könnte den Strudelwurm bei diesem Thema so bewegt haben? Wichtig dabei: keine Bewertungen, keine Zwischenkommentare, keine schnelle Verteidigung.
  5. Falls eine andere Person direkt beteiligt ist, folgt zunächst eine Runde gegenseitiges, aktives Zuhören.

Die Person, die das Post-it geschrieben hat, hört in Ruhe zu und gibt am Ende die wichtigsten Erkenntnisse wieder.

Danach folgt eine gemeinsame Runde zur Frage: Welche Kleinigkeit könnte helfen, damit es leichter wird?

Falls schon eine passende Lösung dabei ist, benennt die Post-it-Schreiber:in diese direkt. Wenn nicht, wird später eine Lösung gefunden oder das Thema im nächsten Teammeeting wieder aufgenommen.

Das Ziel ist nicht Harmonie

Das Ziel ist nicht Harmonie und es geht auch nicht darum, jedes Problem sofort zu lösen. Das Ziel ist, dass Schwierigkeiten einen festen Platz bekommen.

Denn dann verlieren sie ihren Schrecken – müssen sie sich keinen anderen suchen in Form von hinten-rum-Gerede.

Und genau dann passiert etwas Spannendes:

Menschen verstehen sich besser.
Vertrauen wächst.
Spannungen verlieren ihren Schrecken.
Und aus unterschiedlichen Perspektiven entstehen oft die besten Ideen.

Fast wie beim Zähneputzen. Nicht spektakulär. Aber erstaunlich wirksam.

Lass‘ uns zusammen dafür sorgen, dass dein Team Konflikte leichter ansprechen kann.

Gesine Engelage-Meyer Change Coach Trainerin Moderatorin

Ich bin übrigens Gesine, unverbesserliche Optimistin, die fest daran glaubt, dass Menschen bereit sind, sich zu verändern und eng zusammenzuarbeiten… wenn man sie auf dem richtigen Fuß erwischt.

Gerne unterstütze ich Dich und Dein Team als Moderatorin, Trainerin und Coach dabei, schwierige Gespräche leichter zu führen.

Schick mir 📧einfach ne Mail, wenn wir uns mal kennenlernen sollten.

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